Geschichte der Pferdeosteopathie

Im 19. Jahrhundert war das „Bone-Setting“ oder „Knochenbrechen“ und das „Handauflegen“ eine Modeerscheinung in der Heilpraktik in Europa und Amerika „wenn Pfarrer und Arzt keinen Rat mehr wissen.“ Dabei wurde das Wissen dieser Heiler meist innerhalb einzelner Familien weitergegeben.

Skelett Pferd

In Kenntnis dieser überlieferten, nicht wissenschaftlich begründeten Techniken und einem fundamentalen Wissen im Bereich der Anatomie entwickelte der Arzt und Chirurg Andrew Taylor Still offiziell 1874 die Osteopathie und die ersten Grundlagen der kraniosakralen Osteopathie. 1892 eröffnete er die erste „American School of Osteopathy“.

In diese Zeit fällt auch die Entwicklung der Chiropraktik durch Dr. Jim Atkinson und seinem Schüler David Palmer, der auch bei A.T. Still lernte. Diese distanzierten sich von der Osteopathie, da sie sich auf die Wirbelsäule alleine konzentrierten. Heute schließen Chiropraktiker zunehmend die Gliedmaßen und Eingeweide mit ein, ohne das ganzheitliche Konzept zu verfolgen.

Aber auch im asiatischen Raum entwickelten sich in dieser Zeit neue Behandlungsmethoden, wie das Reiki, die Formen der Manuellen Therapie darstellen.

1917 gründete Still’s Schüler John Martin Littlejohn die erste europäische Schule in London, England, die „British School of Osteopathy“.

W.G. Sutherland entwickelte in den 30er Jahren des 20. Jh. die kraniosakrale Osteopathie weiter, die durch sanfte Manipulationen die Gewebe des Schädels ausgleicht. Grundlage dieser Therapie ist die Anerkennung einer Beweglichkeit der Schädelknochen, wenn auch nur minimal. Auch diese Knochen und damit zusammenhängende Gewebe können Blockierungen entwickeln.

Mit zunehmender Entwicklung der Schulmedizin in den Bereichen Pharmakologie und Mikrobiologie, der Entwicklung beispielsweise des Aspirins® oder der Antibiotika, wurden diese Ideen einerseits zurückgedrängt, andererseits durch wissenschaftliche Forschung belegt. Heute erfreut sich die Osteopathie großer Beliebtheit in den USA, England und Australien und ist viel bewusster in das Gesundheitswesen integriert. In den USA arbeiten so 40000 Ärzte auch als Osteopathen, da diese Fachrichtung anerkannt ist. Es handelt sich dort nicht um eine alternative Heilmethode sondern um eine eigenständige medizinische Vorgehensweise. In Europa setzt sich langsam die Osteopathie in der Humanmedizin durch, 1993 wird sie in England, 2000 in Belgien und 2002 in Frankreich anerkannt.

Diese Entwicklung muß in der Pferdeosteopathie erst noch aus den Kinderschuhen heraustreten. Der französische Tierarzt Dominique Giniaux übertrug in den 70er Jahren die Prinzipien der Osteopathie auf die Pferde. Pascal Evrard erlernte sie bei französischen Osteopathen und brachte sie nach Deutschland, wo er mit Frau Beatrix Schulte Wien (Krankengymnastin und Humanosteopathin) die erste Schule in Dülmen, das „Deutsche Institut für Pferde-Osteopathie“ (DIPO) für Tierärzte, Ärzte und Physiotherapeuten gründete. Im September 2000 gründete er in Kelkheim die „Frankfurt International School of Equine Osteopathy“ (FISEO) und blieb bis zu seinem plötzlichen Tod Anfang 2004 immer bemüht, die Pferdeosteopathie weiter zu entwickeln und international weiter zu verbreiten. Die Idee pflanzt sich fort und findet immer mehr Anhänger.

weiter »